Es ist 6 Uhr morgens und der Garua-Nebel liegt über dem Hafen von Puerto Ayora, wo ich auf den Forscher David Anchundia vom Landvogelteam der Charles Darwin Station (CDF) warte. Mit einem breiten Lächeln steigt er aus dem Auto und stellt mir die weiteren Anwesenden vor. Miriam San José gehört zum Team von Heinke Jäger und beschäftigt sich mit der Beseitigung von invasiven Arten zur Renaturierung der Scalesienwälder. Ausserdem begleitet uns noch eine Entomologin der CDF und eine Journalistin, die einen Artikel über die Kleinen Rubintyrannen (Pyrocephalus nanus) schreibt.
Miriam erläutert die Verteilung der Renaturierungsgebiete und die Entwicklung der Scalesienwälder zwischen 1915 und 2017
Beeindruckende Natur
Wir fahren quer über die Insel, vorbei an verschiedenen Farmen direkt ins Hochland nach Mina de Granillo rojo. An eine Mure bleiben wir stehen und David erklärt, dass dies vor einiger Zeit noch ein befestigter Weg war, der jedoch durch ein Unwetter aufgeweicht und fortgespült wurde. Hier beginnt unser Aufstieg.
Nach einer 30-minütigen Wanderung buchstäblich über Stock und Stein biegen wir in einen kaum erkennbaren Pfad ein und Miriam zeigt uns immer wieder invasive Guaven, Zedrelen und Chinarindenbäume. Sie spannen sich wie ein grosser Schirm über das gesamte Gebiet. Der Garua-Nebel fängt sich an den Blättern der Bäume und tropft als Regen auf den Boden, der hier sehr feucht und matschig ist. Wir arbeiten uns zügig durch das dichte Unterholz und müssen immer wieder Brombeerranken ausweichen, die den Weg überwuchern.
Grosser Arbeitseinsatz
Ganz abrupt endet dann das Dickicht und wir stehen auf einer Lichtung. Hohe Scalesienbäume wachsen hier und der Boden ist von niedrigen Gräsern und Pflanzen bedeckt. Rund um diese Lichtung liegen gefällte Bäume, die zu einem Wall aufgestapelt sind. So bietet das Holz vielen Insekten ein Zuhause, die die Nahrung der Rubintyrannen bilden. Erst hören wir nur den Gesang der schwarz-roten und gelb-grauen Kleinen Rubintyrannen und plötzlich sind sie da. Die neugierigen kleinen Vögel sitzen vor uns auf den Ästen und begutachten uns interessiert. Davids Augen glänzen, als er uns die jungen Männchen zeigt, deren Federn beginnen die typische rote Farbe zu bekommen.
Alle 3 – 4 Wochen, müssen die Forscher nachwachsende Brombeeren entfernen, damit der Bodenbewuchs sich frei entfalten kann und die Rubintyrannen geschickt zwischen den Scalesienbäumen nach Insekten jagen können. Nun entdecke ich ganz viele Dispenser, die mit vogelverträglichem Insektizid behandelte Federn, Baumwolle und Flachs enthalten, und zwischen den Scalesien aufgespannt sind. Alle 2 Wochen erneuern die Forschenden die Dispenser, in der Brutzeit von Dezember bis März sogar 2 – 3 x pro Woche. Auf diese Weise sorgen die Rubintyrannen und Darwinfinken selbst für den Schutz ihrer Küken vor der tödlichen Vogelvampirfliege Philornis downsi. Ein grossartiges Zusammenspiel von Natur und Artenschutz.
Junger männlicher Rubintyrann beim Wechsel zum Erwachsenengefieder. Renaturierter Scalesienwald - Fotos: C. Haas
Es geht voran
Insgesamt besuchen wir vier dieser Scalesienwaldfelder in einem Gebiet, das sich über rund 6 ha erstreckt. Hier wurde im Jahr 2018 mit der Renaturiertung begonnen. Im letzten Jahr konnten die Forschenden beginnen, ein weiteres Gebiet von rund 7 ha zu bearbeiten. Ursprünglich war geplant diesen gesamten Bereich bei Mina de Granilla Rojo innerhalb eines Jahres zu renaturieren. Doch die Teams mussten feststellen, dass diese Arbeit sehr zeitraubend, personal- und arbeitsintensiv ist. Insbesondere, da die befreiten Flächen immer wieder nachbearbeitet werden müssen, geht die Arbeit sehr viel langsamer voran als gewünscht und geplant.
Tiefe Eindrücke
Auf unserem Rückweg treffen wir auf eine Schildkröte, die nach ihrer Genesung von einem Verkehrsunfall von den Rangern des Nationalparks hierhergebracht wurde. David erklärt uns, dass es für die renaturierten Gebiete sehr wichtig wäre, wenn die Schildkröten dorthin wandern würden. Denn diese Tiere tragen massgeblich dazu bei, dass der Boden freigehalten wird und die Scalesien ungestört wachsen können. Aus diesem Grund arbeitet ein Team von Forschenden der Charles Darwin Station daran, gemeinsam mit den Landwirten, sichere Wanderwege in die renaturierten Gebiete zu schaffen und für die Schildkröten attraktiv zu machen.
Diese Exkursion zeigt mir eindrücklich, wie wichtig langfristiges Engagement ist – und was durch gemeinsames Handeln möglich wird.
Claudia Haas
Auch Sie haben die Möglichkeit dieses vielseitige Projekt zu unterstützen und dazu beizutragen, dass die nur auf Galápagos vorkommenden Scalesienwälder erhalten bleiben und neue Rückzugsorte für die Kleinen Rubintyrannen bieten. Helfen Sie uns, dieses einzigartige Ökosystem zu schützen!





