Der Spechtfink (Camarhynchus pallidus) ist eine aussergewöhnliche Darwinfinkenart, die nur auf den Galápagos-Inseln vorkommt und die dort fehlenden Spechte ökologisch vertritt. Die Spechtfinken verhalten sich in vielerlei Hinsicht wie echte Spechte: sie klettern an Stämmen und Ästen herum und picken Löcher hinein, um an die dort versteckten Insekten zu gelangen. Während echte Spechte aber ihre lange Zunge brauchen, um an die Insekten in den Löchern zu gelangen, machen das die Spechtfinken in Ermangelung einer solch langen Zunge mit Werkzeugen. Sie nehmen kleine Zweige oder Stacheln von Kakteen in den Schnabel und holen damit ihr Futter aus den Löchern.

Befreiung der Insel Pinzón
In den letzten Jahren haben Zählungen von Birgit Fessl, Koordinatorin des «Galápagos Land Bird Conservation Plan» der Charles Darwin Forschungsstation, aber leider ergeben, dass die Populationen dieser Finkenart abnehmen.
Gründe hierfür sind invasive Arten wie Hausratten und parasitäre Fliegen. Auf der Insel Pinzón sorgten insbesondere die Ratten dafür, dass der Spechtfink und andere endemische Tierarten ausstarben. So trugen die Ratten auch dazu bei, dass sich die Pinzón-Riesenschildkröten nicht mehr fortpflanzen konnten, weil die Ratten alle Jungtiere frassen.
Aus diesem Grund entschloss sich die Galápagos-Nationalparkbehörde, die Insel von den invasiven Hausratten zu befreien. Bereits 2014 konnte die Insel Pinzón als „rattenfrei“ erklärt werden. Seither hat sich das Ökosystem auf der Insel deutlich verändert. Nach 150 Jahren gibt es endlich wieder überlebende Jungtiere bei den Riesenschildkröten und verschwundene Vogelarten wie der Kaktusfink und die Galápagos-Ralle) haben sich erneut auf Pinzón angesiedelt.

Rückkehr der Spechtfinken
Die Rückkehr der Spechtfinken soll die ökologische Wiederherstellung der Insel weiter voranbringen. Dazu werden Vögel aus einer grossen, gesunden Population auf der Insel Santa Cruz eingefangen und in einer Quarantänevoliere untergebracht. Nach ihrer Quarantänezeit werden die Finken auf Pinzón in einem Gebiet ausgesetzt, in dem sich bereits andere Vogelarten angesiedelt haben und das ihren Lebensgewohnheiten entspricht. In diesem Jahr konnten bereits 33 Spechtfinken in ihre neue Heimat auf Pinzón umgesiedelt werden.
Um zu klären, wie viele der Vögel sich auf der Insel niedergelassen haben und ob einige von ihnen vielleicht zurück nach Santa Cruz geflogen sind, wird eine Expedition nach den Finken suchen. Eine weitere Forschergruppe soll während der Brutzeit die auf Pinzón ansässig gewordenen Spechtfinken beobachten und einige mit Transmittern ausstatten, um allfällige Abwanderung feststellen zu können. Die auf diese Weise gewonnenen Informationen werden bestimmen, wie und wo die nächsten Spechtfinken freigelassen werden.
Helfen Sie uns, die Spechtfinken wieder in ihrer alten Heimat anzusiedeln.

